Finding Mr. Perfect
Kapitel 1
Wie lässt es sich am besten beschreiben, dass man einfach etwas höhere Ansprüche hat? Vielleicht einfach, indem man es frei heraus so sagt, wie es nunmal ist. Ich bin auch nicht unbedingt ein Schönling sondersgleichen, aber ich darf doch mit Sicherheit erwarten, dass der Menn, dem ich mich gönne, einen gewissen Reiz haben muss. Gepflegt sollte er sein, aber keiner dieser typischen Weicheier, die sich auch noch pinibel die Augenbrauen zupfen und danach einfach so metrosexuell aussehen, dass ich sie für Tunten halte. Oder pubertäre Jungs, die damit versuchen zu vertuschen, dass sie noch immer kein Mädchen gehabt hatten.
Zugegeben hatte es sich auch bisher noch nicht ergeben, dass ich eine Beziehung hatte, aber ich habe eben gewisse Vorstellungen an eine Beziehung. Dazu muss man wohl sagen, dass es sowieso schwerer für mich ist, jemanden zu finden, weil ich einen Mann suche. Und ein Mann bin. Der Name Leon ist immerhin nicht falsch zu verstehen, nicht einmal Leonie würde man mit Leon abkürzen. Und dafür bin ich meinen Eltern recht dankbar. Meine Bekannte 'Alex' hat es da schon schwer. Finde ich zugegeben aber auch ziemlich lustig, wenn sie sich irgendwo im Internet anmeldet und auf den ersten Blick für einen Mann gehaltenw ird. Nicht zuletzt wegen ihres Namens. Aber jedem das seine, sie sieht nunmal ein wenig burschiger aus und mag diese ganzen Tussis genauso wenig wie ich, die sich mit Make-up zuspachteln, um bloß keine einzige Pore durchdringen zu lassen. Jedes Fältchen, jeder noch so kleine Pickel muss verdeckt sein! So pinibel bin dann nicht einmal ich. Mein Mr. Perfect darf ruhig ein paat Poren haben oder auch ein paar Bartstoppeln. Dagegen habe ich nun wirklich nichts einzuwenden. Groß sollte er sein, größer als ich jedenfalls. Ich mag es, wenn man dank meiner großen Klappe nachdenken müsste, wer von uns beiden den aktiven Part im Bett übernehmen würde. Das würde sich wahrscheinlich auch abwechseln, obwohl ich mich wohl einfach aus meiner Unerfahrenheit nicht festlegen will. Bisher ist mir mein Mr. Perfect einfach noch nicht bebegnet, also wozu die Mühe, drüber nachzudenken.
Wenn er vor mir stünde, wüsste ich schon, dass er es ist. Woher ich das weiß? Weil ich ihn mir ganz genau vorstelle. Ein wenig braungebrannt. ich mag es nicht, wenn man denkt, einen Engländer vor sich zu haben. Dann würden nur noch die roten Haare fehlen.... Dann würde ich gleich weglaufen. Nein, er müsste etwas braungebrannt sein. Nicht zu sehr, dass man denken könnte, er würde ins Solarium gehen. Hier ist wohl anzumerken, dass ich nichts gegen stärker pigmentierte Mitbürger habe! Ich kann nur diese Solariumvögel nicht ausstehen.. Das ist ungesund und auf Hautkrebs oder Lederhaut stehe ich sowieso nicht.
Ich wüsste genau, welche Farbe seine Augen haben müssten. Ich habe selbst blaue Augen, finde ich daher ziemlich langweilig. Grün wäre toll oder braun. Obwohl ich mich da nicht festlegen kann. Grün wirkt für mich etwas wild, das wäre mit Sicherheit nicht negativ, aber braun wirkt so ehrlich. Und ehrlich sollte er auch auf jeden Fall sein. Treu und ehrlich. Wieder zwei Punkte, die einfach ausschließen, dass ich eine Beziehung haben könnte. Findet mal einen Mann, der immer ehrlich und immer treu ist. Selbst in meiner Neigungsrichtung ist das nicht besser. Das habe ich auch alex schon tausendmal erklärt, aber sie will ja nicht hören. Apropos 'hören'. Seine Stimme sollte etwas tiefer sein und auf keinen Fall sollte er reden wie ein Muttersöhnchen. Er sollte schon erwachsener sein, aber nicht so sehr, dass er mich für ein Kind halten würde. Das bin ich schon lange nicht mehr. Und ich erwarte einfach, dass eine gewisse sexuelle Anziehungskraft zwischen und herrscht. Das muss einfach passen und es funktioniert wohl nicht, wenn Mr. Perfect mich für einen zu groß geratenen Zwölfjährigen hält. Mit satten 22 darf man zwar ruhig noch etwas kindisch sein, aber übertreiben muss man es ja nicht.
Ich schweife schon wieder ab. Das passiert mir in letzter Zeit öfters. Liegt wohl daran, dass ich 22 bin, Student und sexuell unausgelastet. Ich bin Jungfrau, diese grausame Tatsache kann ich mir jeden Tag aufs Neue ins Gedächtnis rufen. Und nun bin ich auf dem Weg zur Uni. Mit dem Bus sind das knappe 30 Minuten, dann fünf zu Fuß durch ein kleines Waldstück. Sogesehen auch etwas gefährlich, vor allem, wenn es im Winter früher dunkel wird. Ich will mir garnicht ausmalen, was da schon alles passiert ist. So sitze ich auf einer etwas heruntergekommenen Sitzgelegenheit im Linienbus Nummer 101, der mich wie jeden langweiligen Morgen zur Uni fährt. Den Weg kenne ich schon auswendig, hätte ich ein Fahrrad und die Motivation, könnte ich auch etwas Sport treiben, aber dazu fehlt mir nun wirklich jegliche Lust. Bergauf, bergab ist nicht so mein Fall. Dann komme ich einfach nur völlig verschwitzt in meinen Vorlesungen an, wohlmöglich auch noch zu spät, weil mich der letzte Berg dann noch völlig fertigmacht und mir jede Kraft raubt. Nein danke. Nachdenklich sehe ich aus dem milchig verschmiertem Fenster und betrachte die noch grünen WIesen und die Bäume, die sich allmählich schon in voller Blütenpracht zeigen. Frühling. Eigentlich die Jahreszeit für Verliebte, aber Alex und ich sind wie immer die Ausnahmen. Dabei sind ihre Ansprüche nicht einmal sonderlich hoch, was ich nicht verstehen kann. Sie ist eine tolle Frau, nur etwas kompliziert. Aber Heteros achten doch sowieso nur auf das Äußere, oder nicht? Und da punktet sie eindeutig, wie ich finde. Wahrscheinlich sehe auch nur ich das so. Welcher Kerl möchte schon eine Freundin, die selbst als Mann attraktiver wäre, als er selbst? Wenigstens ist sie diesen Spinner Simon vor einem Jahr losgeworden. Das war eine Flasche..
Mein MP3-Player spielt ein paar Songs von Jared Leto, während ich schon wieder in Gedanken versinke. Dabei achte ich wenigstens drauf, dass meine Haare nicht die Glasscheibe berühren. Nicht auszudenken, wer da alles schon dran gelehnt hat.. Vielleicht aber auch Mr. Perfect. Langsam nervt es mich selbst, dass er mich noch immer nicht gefunden hat. Ein Seufzen entweicht meinen Lippen und ein Kollege aus meinem Studienfach setzt sich an der nächsten Haltestelle neben mich. Ich nehme ihn aum wahr, weiß nur, dass er ein paar Reihen vor mir sitzt und mit seiner Frisur die Sicht versperrt oder mich einfach nur ablenkt. Er hat kleine Locken, hat etwas von dem Typ aus Scary Movie, fehlt nur noch der Kamm im Afro. Aber nett ist er, das muss man ihm ja lassen. So platt bin ich nun nicht, dass ich mich nichtmal mit Leuten unterhalten würde, nur weil mich die Frisur stört. Es stört sich ja auch keiner an meinem Undercut. Mr. Perfect auch nicht.. Ich störe mich auch nicht an der Vorstellung von ihm, denn zugegeben sieht er doch mit Sicherheit ziemlich gut aus. Kurzes dunkles Haar, in dem man seine Finger gerade noch so vergraben kann.. Das wärs. Man muss schließlich seine tollen Augen sehen können, besonders bei bestimmten Situationen. Ich bin wohl wirklich nicht ausgelastet, dass ich schon wieder daran denke. Aber ich stelle es mir einfach unglaublich heiß vor, mit ihm zu schlafen. Ganz sicher ist er der Wahnsinn! Meine Lenden brennen schon, wenn icha uch nur daran denke.. Wie wir uns gegenseitig in die Kissen drücken. Eine eigene Wohnung hat er natürlich, bei meinen Eltern könnten wir soetwas schlecht machen. Finanziell ist Mr. Perfect unabhängig.. Einen Namen hat er bisher nicht, aber irgendwann weiß ich schon, welchen Namen ich stöhnen muss, wenn er über mir liegt. Ich sehe die Muskeln vor mir, die seinen Pberkörper zieren.
ich setze mich etwas bequemer hin, falls meine Gedanken wieder zu weit gehen und lege die Tasche auf meinen Schoß, um weiter aus dem Fenster zu sehen und zu träumen. Dass Jannik mit mir redet, nehme ich wahr und antworte ihm mit knappen Geräuschen. "Mhm..", kommt es nur von mir auf die Frage, ob ich mein Referat schon vorbereitet habe. Natürlich habe ich das nicht, aber vielleicht ist er so etwas ruhiger. Kurz schließe ich die Augen und klammere mich an meiner Fantasie fest. Wie gerne würde ich die warmen Hände an meiner Hüfte spüren. Selbst angefasst habe ich mich zur Genüge, aber so gänzlich unberührt zu sein, nagt doch irgendwie an einem. Und an meinem Ego. Vielleicht mache ich irgendwas falsch. Oder die anderen. Wieder wandern seine Hände über meinen Rücken, meine Seiten und weiter hinab, um mir die Jeans zu öffnen. Geschickt löst er den nopf aus der kleinen Schlaufe und rutscht weiter hinab, die Lippen auf meinen Nabel legend. Ich kann meinen Atem jetzt schon zittern hören. Mit den Zähnen neift er kurz in meine Haut, bevor er den Reißverschluss erwischt und ihn nach unten zieht. Er kann es einfach.. Und er kann es gut. Mein Herz rast unaufhörlich, wenn ich mir das vorstelle. Der Duft von irgendeiner Marke liegt mir in der Nase, aber ich weiß nicht mehr, welcher es war. Ist mir auch in diesem Moment egal, weil ich sowieso nicht mehr lange denken könnte. Die Lippen folgen den Händen, als meine Hose gedanklich von meinen Beinen gezogen wird. Der wilde Blick sieht zu mir hoch, dann geht ein Ruck durch meinen Körper.
Ich öffne die Augen ein wenig murrend, weil der Bus an einer Ampel halten muss. Der Platz neben mir ist leer und mit einem verwirrten Blick stelle ich fest, dass ich meine Haltestelle verpasst habe. "Verdammt!", entkommt es mir leise fluchend. Schon wieder! Mit eiligen schritten gehe ich vor zum Busfahrer und bettel ihn fast schon an, dass er mich ausnahmsweise hier rauslassen soll. Der genervte Mann blickt seitlich zu mir auf und schüttelt nur den Kopf, deutet dann auf ein angeklebtes Schild über seiner Fahrerkabine auf dem steht "Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen." Na super. Wieder entweicht mir ein Fluch und ích setzte mich wieder, um noch etwa einen halben Kilometer weiter zu fahren und endlich an der nächsten Haltestelle auszusteigen. So komme ich also doch unfreiwillig zu meiner sportlichen Betätigung. Und das nur, weil ich mir ein paar schöne Gedanken machen wollte. Vielleicht gefällt es meinem Traummann aber auch, wenn ich etwas sportlicher bin. Obwohl er mich sicherlich so lieben wird, wie ich bin.
Kapitel 2
Die Vorlesung verspätet zu besuchen ist an meiner Uni nichts Ungewöhnliches mehr. Und trotzdem ist es immer wieder eine peinliche Angelegenheit, die schwere quietschende Tür zum Hörsaal zu öffnen und damit den Redefluss unseres Professors zu unterbrechen. Neben einem tödlichen Blick fängt man sich meistens noch einen dummen Kommentar ein. Den habe ich wohl verdient..
"Schon wieder verschlafen, Herr Kessler?", werde ich von der Seite angesprochen, als ich mich zu meinem Stammplatz nach hinten vorkämpfe. Er kann auch nicht ein einziges Mal nichts sagen, wenn man den Raum betritt. Das muss wohl eine Krankheit sein, vielleicht ein Aufmerksamkeitsdefizit. Mehr als ein Grummeln verlässt meine Lippen nicht, aber ich kann noch das Augenrollen von Jannik sehen, der ja noch versucht hatte, sich im Bus mit mir zu unterhalten. Aber die Vorstellung von meinem Traummann war einfach interessanter gewesen.
"Wo sind wir denn?", frage ich Alex beiläufig, nachdem ich mich neben sie gesetzt habe. Sie grinst mich nur etwas mitleidig an und wuschelt mir liebevoll durch die rasierte Seite, was eher etwas kratzt, statt sich gut anzufühlen, aber ich lasse sie gewähren. Sie mag das einfach, sagt immer, ich hätte ein Katzenfell und ich bin es leid, ihr das ausreden zu wollen. Schließlich schiebt sie mir ihre Mitschriften zu, sodass ich mich wenigstens kurz einlesen kann. Wenigstens ist ihre Schrift schön leserlich, ganz anders als das Gekrakel an der Tafel oder den Folien, die uns der Prof nach und nach zumutet. Eigentlich schreibe ich sowieso immer bei ihr ab, unter anderem, weil man sich dann auch besser unterhalten kann. Unsere Mitschriften zieren ständig kleine Randkommentare, die eigentlich wenig mit dem Unterrichtsstoff zu tun haben. Das habe ich schon in der Schule so gemacht, aber da kannte ich diese wundervolle Frau mit den brünetten Locken noch nicht. Sachte fällt ihr eine Strähne über die blauen Augen, kaum zu glauben, dass sie noch immer keinen Freund hat. Lesbisch ist sie zumindest nicht, so viel kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Es war ein verregneter Abend, viel Alkohol und Frust auf beiden Seiten, dass wir nicht einmal jemandem zum Küssen haben. Alex ist eine klasse Frau, aber trotz ihres burschikosen Aussehens, das selbst mich manchmal in den Schatten stellt, einfach nicht mein Typ. Denn letzteres ist wohl die Grundvorraussetzung! Ein Typ.. Das muss ich ja nicht ständig erwähnen, aber manchmal vergessen das Mitstudierende gerne.
Ein Beispiel dazu traf ich später in einer Freistunde. Dutzende Studenten rennen eilig in die Mensa, um das letzte Stück der guten Pizza zu ergattern oder zumindest ein Schälchen Vanillepudding, der hier so schnell verschwindet, wie die Morgenzeitung am Kiosk. Nur mit dem Unterschied der Altersgruppe, obwohl auch mit Sicherheit ein paar Rentner diesen Pudding stibitzen würden.
“Wenn das so weitergeht, dann wiederhole ich den Kurs.”, seufzte ich missmutig und las mir noch einmal meine Notizen durch. Es war nicht so, als wäre ich dumm.. “Du bist einfach zu faul.”, brachte es Alex auf den Punkt und schaufelte sich eine gehäufte Gabel voll Reisfrikadelle in den Mund und kaute genüsslich. Der versuchte Todesblick meinerseits ließ sie mal wieder kalt. Wieder stopfte sie sich etwas von dem viel zu gesunden Zeug rein und tippte mit dem Besteck auf meinen Teller, damit auch ich endlich mal etwas zu mir nahm. Lustlos kaute ich etwas auf einem Brötchen herum, das sicherlich nicht erst seit ein paar Minuten in der Vitrine gelegen hatte. “Ich bin auch Single, du musst das positiv sehen!” “Was ist daran positiv zu sehen, hm?”, harkte ich nach und sammelte den angelaufenen Käse hinunter. “Dann hast du wenigstens mehr Zeit. Germanistik ist nunmal kein Zuckerschlecken. Hast du denn wenigstens mit deinem Projekt schon angefangen?” Ach ja, das Projekt. Ein wneig ertappt sah ich zur Seite und Alex wusste sofort, was los war. Etwas entrüstet ließ sie die Gabel sinken und griff sich in das beneidenswert glänzende Haar. “Leon, das darf doch nicht wahr sein!”, mahnte sie mich ähnlich meiner Mutter. Manchmal waren die beiden sich erschrocken ähnlich..
“Ja ja, ich hab ja schon eine grobe Idee. Jeder schreibt doch irgendwelche Texte oder Gedichte, das mach ich einfach auch. Ich schreib genügend Zeug, da krieg ich das auch noch hin.” Zumal man Rollenspiele als sonderliche Herausforderung sehen kann, wenn die Mitspieler eine grammatikale Auffassung eines Viertklässlers haben. Ausnahmen bestätigen die Regel. “Na ich will es hoffen. Ich will dir nicht immer auf die Finger klopfen müssen.” Langsam verdrückte sie den Rest der gesunden Pampe, die ich wohl nur unter Androhung von Schlägen essen würde und stand auf, um das Tablett zurück zu bringen. Sobald sie aufgestanden war, seufzte ich ein wenig geknickt vor mich hin. Das nannte sie Motivation, aber dazu müsste ich ihr wohl noch ein paar Takte sagen. Manchmal konnte sie schlimmer zu mir sein, als ein Zuhälter zu seiner Nutte. Nur leider hatte sie Recht und ich musste mir dringend etwas für mein Projekt überlegen. Ich wollte, wie viele andere leider auch, einen kurzen Roman verfassen, vielleicht auch nur eine Kurzgeschichte mit ein paar Illustrationen dazu. Natürlich nach den vorgegebenen lyrischen Ansätzen und mit einer etwas gewählteren Ausdrucksweise als ‘yo baby’ und der ganze Kram, der sich im alltäglichen Gebrauch durchgesetzt hatte. Oder Dialekte.. Ich finde Dialekte schrecklich. Welche, sage ich lieber nicht, um niemanden zu diskriminieren oder zu beleidigen. Mr. Perfect hat zum Glück keinen.. Wenn dann vielleicht einen Spanischen, was ich zugegeben ziemlich heiß finden würde. Auf Dauer würde mich das aber wohl auch nerven. Außerdem sind diese ganzen Südländer meiner Meinung nach zu untreu. Mit schönen Frauen flirten tut mein Onkel Riccardo auch und das, obwohl er eine bildhübsche Frau hat.
“Hallo, du bist Leon, oder?”, werden meine Gedanken zerrissen. Mit gebobener Braue sehe ich auf und blicke in das Gesicht einer jungen Frau mit zwei Zöpfen, die mit ein paar Büchern unterm Arm an meinen Tisch gekommen war. Dreist setzt sie sich mir gegenber auf Alex’ Platz und lächelt mir verlegen zu. Wer soll ich denn sonst sein? Aber ich verkneife mir ein bissiges Kommentar. Ich sollte an meinem Auftreten arbeiten, wenn ich irgendwann einmal soetwas wie einen größeren Freundeskreis haben will. Gesellschaftsfähig würde das Alex jetzt nennen und ich verfluche sie dafür, dass sie einfach ihr Tablett wegbringen wollte. Nun war die Jagd eröffnet! Eigentlich müsste ich das gewohnt sein. ich ziehe immer wieder ein paar Frauen an, aber nunmal leider keine Männer, die mich wenigstens ansatzweise interessieren könnten. “Sieht ganz so aus.”, gebe ich nur zurück, kombiniert mit einem fragenden Blick, wie ich der werten Dame helfen könnte. Ich falle aus allen Wolken, als sie mich weiter anlächelt und ich ihren Fuß an meinen stupsen spüre. Das nächste mal zieh ich Stahlkappenstiefel an! “Ich bin Anna. Ich sitze bei Hansen direkt hinter dir.. Ich dachte, vielleicht könnten wir mal zusammen etwas trinken gehen oder den Kurs vorbereiten?” Sofort ziehe ich meinen Fuß zurpck und gehe auf Abwehrhaltung, verschränke die Arme vor der Brust. Arschloch-Modus aktiviert! “Also, weißt du, Püppy-” Ich spüre einen festen Griff an meiner Schulter und merke Alex’ kurze Locken an meiner Wange. “Wir haben kein interesse an ‘nem Dreier. Also zieh Leine.”, trällerte sie etwas düster, dass selbst mir die Nackenhaare zu Berge stehen. Die forsche Anna zog die Luft ein, wahrscheinlich um nicht zu explodieren und stand eilig wieder auf. “Zimtzicke!”, fauchte sie nur beiläufig und verließ zu meiner Erleichterung das Spielfeld. Siegessicher und mit einem Grinsen ala ‘Ich hab dich gerettet, sei mir dankbar!’ setzt sie sich wieder zu mir. “Wir beide geben doch ein süßes Pärchen ab.”, scherzte sie wieder. Manchmal war mir garnicht so nach Scherzen zumute, aber ich grinste doch etwas. Wie oft wir uns gegenseitig schon als alibi genommen hatten, wusste ich schon garnicht mehr. Zu zählen hat man einfach irgendwann aufgehört. Trotzdem verstand ich nicht, wie man auf einen Typ wie mich so abfahren konnte. Nagut, eigentlich schon, vielmehr begriff ich nicht, wie man als Frau so dreist sein konnte, sich so ranzuschmeißen! Bei Alex hatte das einen gewissen Reiz, aber diese Puderpüppchen mit ihren Stöckelschuhen waren einfach nur abturnend. Was dachten sie sich nur dabei? Erotik sah in meinen Augen anders aus. Deutlich anders! In meinen Vorstellungen sehe ich nackte Männerhaut, einen stählernen Körper, schweißnasse Muskeln. Bebende Lenden, die sich verlangend an meinen reiben und ein tiefes, männliches Stöhnen an meinem Ohr. Allein der Gedanke jagt mir eine Gänsehaut über dne Rücken. Ich schlucke etwas trocken und befeuchte meine Lippen beiläufg mit der Zunge. Alex kennt diesen Blick schon von mir und zieht mir die Ohren lang.
“Bleib bei der Sache, Leopold!”, ärgerte sie mich auf gemeinste Weise und fing sich ein leichtes Knurren ein. “Man darf ja wohl noch träumen dürfen nach dieser Tussi! oder willst du, dass mir das Brötchen doch wieder hochkommt?” “Du bist unverbesserlich.”, bekomme ich noch liebevoll an den Kopf geworfen, ehe es wieder Zeit ist, in die nächste Vorlesung zu gehen. Müde hieve ich mir die Tasche auf die Schultern und folge Alex, ihr neckend auf den Hintern klopfend.
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